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Erzählfaden · 2 Ereignisse

Deutschlands Steuerpolitik

Symbolbild

Eine Vermögensteuer wird in Deutschland seit 1997 nicht mehr erhoben. Auslöser war ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1995, das nicht die Steuer als solche verbot, sondern die ungleiche Bewertung verschiedener Vermögensarten, vor allem die Bevorzugung von Immobilien gegenüber anderem Vermögen, als Verstoß gegen den Gleichheitssatz beanstandete. Die damalige Bundesregierung reformierte die Steuer nicht, sondern ließ sie auslaufen, obwohl Artikel 106 des Grundgesetzes die Vermögensteuer weiterhin als zulässige Steuerart nennt und eine verfassungskonforme Neuregelung rechtlich möglich wäre. Seither fordert die SPD in wiederkehrenden Abständen, zuletzt prominent im Bundestagswahlkampf 2021, die Wiedereinführung, während Union und FDP dies ablehnen; parallel wird immer wieder auch über eine Verschärfung der Erbschaftsteuer gestritten. Diese lange Auseinandersetzung um die Besteuerung großer Vermögen bildet den Hintergrund für die Steuerdebatte in der unionsgeführten Koalition aus CDU/CSU und SPD unter Bundeskanzler Friedrich Merz.

ZDFheute: Entlastung der Mitte, SPD will Vermögensteuer einführenForschungsstelle Arbeit der Zukunft: Comeback der Vermögensteuer, rechtlich wäre der Weg frei

Verlauf im Detail

Montag, 20. Juli 2026Wirtschaft

Verdienste in Deutschland 2025 um 5,1 Prozent gestiegen

Die mittleren Bruttoverdienste in Deutschland sind 2025 laut Bundesagentur für Arbeit um 5,1 Prozent und damit stärker als die Inflation gestiegen. Der Median legte um mehr als 200 Euro zu, der Abstand zwischen den Geschlechtern schrumpfte leicht. Es bleiben deutliche regionale Unterschiede.

Nach Daten der Bundesagentur für Arbeit stiegen die mittleren Bruttoentgelte 2025 kräftig; die konservative Welt beziffert das Plus auf 5,1 Prozent und mehr als 200 Euro beim Median. Höhere Tarifabschlüsse trieben die Einkommen laut Süddeutscher Zeitung real nach oben, also stärker als die Inflation. Die liberale Zeit und die SZ betonen zugleich fortbestehende Unterschiede: Frauen verdienen weiterhin weniger als Männer, wenngleich die Lücke leicht schrumpfte, und zwischen den Bundesländern klafft ein deutliches Gefälle. Die Lager berichten die Zahlen übereinstimmend, setzen aber verschiedene Akzente: Wirtschaftsnahe Stimmen verweisen auf gestiegene Lohnkosten, während sozialpolitisch orientierte Medien die Reallohngewinne der Beschäftigten hervorheben. Der Befund fällt in eine Debatte, in der die SPD Vermögens- und Erbschaftssteuern zum Thema macht und Kanzler Merz mehr Arbeitsstunden anmahnt. Offen bleibt, ob die Reallohngewinne bei nachlassender Konjunktur Bestand haben.

Die WeltDie ZeitSüddeutsche Zeitung

Samstag, 18. Juli 2026WirtschaftSPD macht Vermögens- und Erbschaftssteuer zum Schlüsselthema

SPD macht Vermögens- und Erbschaftssteuer zum Schlüsselthema

Nach der Sommerpause will die SPD den Streit mit der Union über höhere Steuern auf Vermögen und Erbschaften verschärfen. Generalsekretär Tim Klüssendorf erklärte die Wiedereinführung einer Vermögensteuer zum „Schlüsselthema“. Er begründet das damit, dass Gewinne bei immer weniger Menschen landeten.

Klüssendorf kündigte an, die SPD werde bei der Union für eine Rückkehr der Vermögensteuer und höhere Erbschaftssteuern kämpfen, und macht dafür eine über Jahrzehnte fehlgeleitete Steuerpolitik verantwortlich. Die liberale Zeit und die konservative Welt berichten übereinstimmend über den Vorstoß, bewerten ihn aber aus unterschiedlicher Warte: Während die SPD ihn als Frage der Verteilungsgerechtigkeit rahmt, wird er im konservativen Lager als Belastung für Standort und Leistungsträger gelesen. Der Streit fällt in eine unionsgeführte Koalition, in der die SPD Juniorpartner ist, was eine Umsetzung erschwert. Die Quellenlage ist an diesem Tag dünn und stützt sich vor allem auf den SPD-Vorstoß selbst. Ob daraus mehr wird als Wahlkampfrhetorik, bleibt abzuwarten.

Die ZeitDie Welt

Prognose · Einschätzung
  • Wahrscheinlich60%

    Der Vorstoß bleibt vorerst Wahlkampfrhetorik und stößt am Koalitionspartner Union auf Blockade, ohne rasche Gesetzesänderung.

  • Schlimmstenfalls15%

    Der Streit belastet die Koalition so stark, dass er ihre Handlungsfähigkeit oder Stabilität gefährdet.

  • Bestenfalls25%

    Ein Kompromiss bringt eine maßvolle Reform der Erbschafts- oder Vermögensbesteuerung zustande.