Samstag, 18. Juli 2026 · WirtschaftEU lockert den Emissionshandel und entfacht einen Klimastreit
Die EU-Kommission will die Industrie beim CO2-Preis entlasten und rückt von strengen Klimazielen ab, weitet den Emissionshandel aber auf Luftfahrt und Abfall aus. Kritiker sprechen von „gefährlicher Augenwischerei“ und einem Aushöhlen des Klimaschutzes. Befürworter sehen einen pragmatischen Kompromiss, der den Emissionshandel in schwierigen Zeiten rettet.
Die Reform entlastet Unternehmen beim CO2-Preis und lässt ihnen mehr Zeit, senkt damit aber faktisch die Klimaziele. Die linke taz urteilt, das werde die Industrie nicht retten und ziehe die falschen Schlüsse, während die liberale Zeit befindet, die Kommission habe dem Druck der Industrie nachgegeben und den Emissionshandel zugleich gerettet, was in Zeiten von Trump bemerkenswert sei. Politico berichtet, die energieintensive Industrie sei unzufrieden und spreche von „gefährlicher Augenwischerei“, nur die DIHK sehe Positives. Das konservative Le Figaro hebt hervor, dass ein Null-Emissions-Ziel bis 2039 als unrealistisch gelte, Firmen länger emittieren dürften, der Emissionshandel aber auf Luftfahrt und Abfall ausgeweitet werde. So stehen sich der Vorwurf des Klimaverrats, die Klage der Industrie über zu wenig Entlastung und die Deutung als pragmatische Rettung gegenüber.
taz · Die Zeit · Politico Europe · Le Figaro
Freitag, 17. Juli 2026 · WirtschaftEU-Kommission reformiert den Emissionshandel und entfacht einen Klimastreit
EU-Kommission reformiert den Emissionshandel und entfacht einen Klimastreit
Die EU-Kommission legte Vorschläge zur Reform des Emissionshandels vor, die der Industrie mehr Spielraum verschaffen sollen. Kritiker warnen vor einer Aufweichung des Klimaschutzes, die Wirtschaft fordert Entlastung. Der Streit dürfte zu einer der größten klimapolitischen Auseinandersetzungen des Jahres werden.
Politico wertet den Vorstoß als Moment der Wahrheit für die Klimaglaubwürdigkeit der Kommission und schreibt, Brüssel wolle der Industrie mehr und längeres Verschmutzen erlauben, wogegen Parlament und Mitgliedstaaten Widerstand ankündigen. Das Handelsblatt und Die Zeit stellen die Grundspannung heraus: Klimaschutz gegen Wettbewerbsfähigkeit, wobei Die Zeit fragt, was europäischer Klimaschutz nütze, wenn zu wenige Länder mitmachen. Aus russischer Sicht kommt ein Kontrapunkt: TASS berichtet, Russland habe die WTO angerufen, um den Streit über die EU-CO2-Regeln und den Grenzausgleich CBAM zu klären. Die Industrie fordert Entlastungen, Klimaschützer bangen um die Wirksamkeit des Instruments. Einig sind sich die Beteiligten, dass die Reform die Balance zwischen Emissionsminderung und Standortinteressen neu justiert und international umstritten bleibt.
Politico Europe · Die Zeit · TASS · Handelsblatt
Prognose · Einschätzung
●Wahrscheinlich60%
Der Vorschlag löst einen langen Streit mit Parlament und Mitgliedstaaten aus, an dessen Ende ein Kompromiss mit abgeschwächten Auflagen steht.
▲Schlimmstenfalls20%
Die Reform höhlt den Emissionshandel aus, gefährdet die EU-Klimaziele und schwächt die Vorbildrolle Europas.
▼Bestenfalls20%
Ein ausgewogener Kompromiss verbindet Entlastung der Industrie mit glaubwürdigem Klimaschutz und stabilisiert den CO2-Preis.